[ 03.08.2008 ]
Reisevorbereitungen
Wie jedesmal gibt es Ausrüstungscheck und eine grosse Auslegeordnung in der Stube, was dann etwa so aussieht… - das Chaos ist wieder gross & die Zeit läuft !

[ 08.08.2008 ]
Anreise I
Um 10 Uhr morgens habe ich mich nun mit Sack und Pack in Richtung Flughafen auf den Weg gemacht. Check-In mit dem Bike und all dem Gepäck ging reibungslos (ist ja auch nicht mehr das erste Mal...) nur als ich beim Boarding mein Ticket zeigte sagte man mir, dass es ein Problem mit der "Baggage-Security" gäbe, jemand würde gleich mit meinem Gepäck zum Gate kommen (????).
Der Mann der da kam war von der Polizei und wollte nur ein bisschen an meinem Benzinkocher schnüffeln und schauen ob ich meine Pfannen auch schön geputzt nach Indien ausführe... (Das Problem lag darin, dass man kein Benzin und keine Gaskartuschen im Flugzeug transportieren darf...- was ich natürlich auch weiss).
Der Flug selbst war schön ruhig und die Ankunft in Delhi ging auch ohne Probleme vonstatten (alles Gepäck inkl. Bike war da).
Bei der Fahrt zum Hotel dämmerte mir dann so langsam, dass ich jetzt Europa hinter mir gelassen hatte; - mein Staunen hatte kein Ende... Einmal sah ich etwas auf dem Trottoir liegen und dachte: "da liegt doch einer !", bis ich feststellte, dass es nicht einer sondern unzählige Leute waren, die da zwischen zwei Fahrbahnen auf dem 1 Meter breiten Betonstreifen ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten.
Das Hotel liegt übrigens erfreulicherweise direkt neben einer Moschee, so konnte ich morgens um 5 schon ganz entzückt den Gesängen des Muezzins lauschen...
Kurz gesagt: ich bin angekommen.

[ 08.08.2008 ]
Anreise II
Nach den Gesängen des Muezzins bin ich um 07:00 von meinem "Wakeup-Call" erneut geweckt worden, da mir heute die nicht ganz einfache Aufgabe bevorsteht, meine Weiterfahrt mit dem Bus nach Manali zu organisieren...
Nach dem Morgenessen holte mich ein Cab-Driver ab und wir stürzten uns in den absolut WAHNSINNIGEN Verkehr Neu Delhi´s:
Mit dem was wir uns so gewohnt sind ist das einfach nicht zu vergleichen, da sind die paar Drängler auf den Schweizer Autobahnen grad noch harmlose Spitzbuben...
Hier gilt einfach das Gesetz des Stärkeren: zuoberst Lastwagen & Busse, dann Autos, schliesslich die Tuktuk-Taxis (auf dem Foto das grün-gelbe Ding), dann die Velo-Rikschas (Foto) und zuallerletzt die Fussgänger die beim gegenwärtigen Monsunregen sowieso schon alle nass sind (da spielt dann eine Ladung Dreckwasser von der überfluteten Strasse auch keine Rolle mehr...).
Es wird einfach immer gehupt, pausenlos und zwar nicht weil der andere "weg" soll, sondern um dem Auto 10 cm links zu sagen: "Achtung rechts komme ich"...
Die Markierungen auf den Strassen scheinen übrigens auch überflüssig zu sein, denn hier werden aus 2 markierten Spuren locker mal 3 oder 4 gemacht.
Das Busticket habe ich übrigens in der Zwischenzeit und auch der Transfer zum Bus ist organisiert, so sollte ich wenn dann alles so läuft wie geplant Morgen früh in Manali sein.
Soviel zum Wahnsinn in Delhi.

[ 09.08.2008 ]
Anreise III
Nach viel Aufregung und dem Entrichten eines weiteren unvorhergesehen Beitrages von 400 Rupien fand mein Bikekarton dann auch noch den Weg in den Bauch des "Volvo Semi Sleeper"-Busses (warum der so heisst, ist mir nun auch klar...).
Die Fahrt ging jedenfalls los und wenn man die 500 Kilometer Strecke durch 15 Stunden dividiert, so kommt man auf einen erstaunlichen Schnitt von 33 km/h.
Nach einigen Schreckmomenten (beim Überholen) und viel "Semi-Sleep" erreichten wir dann schlussendlich auch noch Manali wo mich ein Tuktuk-Taxi samt Bikeschachtel zum Hotel brachte. Die Gegend hier sieht wirklich ein wenig aus wie in den Schweizer Alpen; - es könnte Guttannen oder so sein - es ist auch etwas kühler hier oben...
Das Tagesprogramm in Manali sah so aus: zuerst mal 2 h Schlaf nachholen, dann Bike zusammensetzen, Benzin & Lebensmittel einkaufen, Probefahrt mit dem Bike, Pneus pumpen (10 Rupien) und die Dinge für Morgen sortieren, denn es steht der erste Pass mit 50 Km Strecke und einem Anstieg von 2000 m auf dem Programm. Jetzt geh ich noch essen und nachher schnell schlafen.

[ 10.08.2008 ]
Tag 1
Das mit den 2000 Metern hat nicht ganz so geklappt, aber immerhin verbringe ich die heutige Nacht auf 3335 Metern über Meer; - die Strasse war echt übel ("Attention Sliding road drive carefully" oder dann "Avalanche Point" was dann meist Fahren im Bachbett bedeutet und das mit vollem Gepäck und in dieser Höhe...) - ich war also einfach vernünftig und habe hier in Marhi einen Zwischenstopp eingelegt.
Während einer Pause wurde ich noch von Luis, einem Brasilianer mit Mountainbike überholt und mit seiner Gruppe und deren Guide habe ich hier einen lustigen Abend verbracht, deshalb fällt mein Bericht etwas kurz aus; - aber das Fazit des Tages lautet schlicht: "es war echt streng !".
- ja sorry uebrigens fuer die Verzoegerung, aber ich hatte leider erst in Leh wieder Internetzugang...

[ 11.08.2008 ]
Tag 2
Zum heutigen Tag: Es war auch wieder "streng", was weniger der Hoehe sondern dem miserablen Strassenzustand zu verdanken war; - wenn also in meiner Reiseplanung stand "die Strasse auf den Rohtang La ist asphaltiert", dann stimmt das schon irgendwie, denn man findet wirklich immer wieder einen oder zwei Quadatmeter Teer zwischen den Pfuetzen, dem Lehm und den Schlagloechern. So langsam aber sicher naehert sich die Strecke der eigentlichen Himalayakette, die Berge werden gewaltiger und langsam aendert sich die Kultur / Religion vom Hinduismus zum Buddhismus.
Morgen werde ich Keylong passieren und von da an geht es dann wirklich nur noch rauf (Heute uebernachte ich in Tandi auf 2910 Metern).

[ 12.08.2008 ]
Tag 3
Heute habe ich Luis wieder getroffen, ich hatte seine Spuren schon längere Zeit in der Sandpiste gesehen, nur wusste ich nicht genau wieweit er schon voraus war. Auch er findet die Piste (Strasse) ein wenig übel.
Der heutige Teil führte meist an ganz steilen Hängen entlang und immer war wieder mal ein Dorf "hingeklebt". Unten im Tal und an den flacheren Stücken der Hänge konnte man jeweils die Terassenkulturen sehen.
Den Tag habe ich in Patseo bei einem netten Paar beendet, das hier ein Zeltrestaurant führt und den ganzen Sommer hier oben lebt; - das war wie immer ein Zusammentreffen der besonderen Art. Morgen geht es dann über den "Baralacha La" mit 4650 Metern sozusagen mein erster Bike-4000er (mal sehen wie fest ich da keuchen werde...).

[ 13.08.2008 ]
Tag 4
.....und ich _hatte_ gekeucht und nicht zu knapp; - einerseits hatte ich es (wieder) mit einem sehr schlechten Strassenzustand zu tun (eigentlich konnte man über grosse Strecken schon nicht mehr von Strasse reden), andererseits hat sich der liebe Kartenmacher um mickrige 250 Höhenmeter verschätzt ! Und wenn man sich dann die Kräfte einteilt und sich mental einstellt, dann ist das doch eine gewisse Überraschung.
Ach ja, geregnet hatte es auch noch den ganzen Tag und auf der Passhöhe wurde auch noch Schnee daraus. Nun zusammengefasst gebe ich hier das Zitat einer Strassentafel am Strassenrand wieder: "When the going gets tough, the tough gets going" - so ungefähr war es...

[ 14.08.2008 ]
Ruhetag 1
Um mich von den Strapazen des "Baralacha La" zu erholen und all meine Sachen zu trocknen, legte ich in Sarchu einen Ruhetag ein. Viel los war da nicht, es ist eine Durchgangsstation auf der Strecke Manali - Leh und ich war im Zelt bei einer Zanskari-Familie einquartiert. Diesem Familienleben & den dauernd ändernden Gästen zuzuschauen war aber doch sehr interessant.

[ 15.08.2008 ]
Tag 5
Am heutigen Tag stand der erste 5000er-Pass, der "Lachulung La" auf der Liste... Zuerst ging es einem wunderschönen Flusstal entlang Richtung der "Gata Loops", das sind 21 Kehren von 4200 auf 4900, dann kam ein erster Pass und eine 300-Meter Abfahrt.
Nach einer Pause in einem Teezelt mussten dann noch die letzten 400 Meter bis zur Passhöhe "erkeucht" werden...
Ja, irgendwann hatte ich es dann auch noch geschafft; - doch was dann kam sucht seinesgleichen: eine traumhafte Abfahrt durch eine gigantische Schlucht mit einem klaren Flüsschen bis nach "Pang".
Kurz davor musste ich sogar das erste Mal bei einem Checkpoint der indischen Armee meinen Pass registrieren lassen (in einem zerfledderten Registrierbuch...).
Hier habe ich übrigens auch Luis und seine Truppe wieder getroffen und bin zum Essen eingeladen worden.
An die Höhe habe ich mich übrigens gut gewöhnt, diese Nacht in Pang habe ich auf 4500 Metern verbracht.
(Bild: Blick zurück nach Pang)

[ 16.08.2008 ]
Tag 6
Das Frühstück war heute wirklich königlich; - da ich immer noch in Pang bei Luis und seiner Truppe war, wurde mir zuerst Chai ans Zelt serviert, später gab es Crêpes mit Confiture und frittierte Apfelschnitze und Fruchtsaft...
Na, irgendwann hiess es aber doch noch ab aufs Bike um die Steigung auf die More-Ebene in Angriff zu nehmen.
Diese Hochebene ist 40 Km lang, fast flach und geht leicht abwärts, der Traum jedes Bikers.
Kurz vor dem nächsten Pass war dann noch Wasseraufbereitung und "Tanken" angesagt, denn ich wollte möglichst nahe am letzten grossen Pass dem "Tanglang La" (5317 m) übernachten.

[ 17.08.2008 ]
Tag 7
Dieser letzte grosse Pass vor dem Laddakh entsprach dann ausnahmsweise den Informationen die ich zusammengesammelt hatte; - kurz vor und nach dem Pass dann eben die gewohnt schlechte Piste aber irgendwann kamen dann die buddhistischen Gebetsfahnen in Sicht, die jeden Pass markieren.
Dann eine endlose Abfahrt mit unzähligen Kehren hinunter nach Rumtse, wo ich mit zwei Leuten von Luis´s Truppe einen Kaffee getrunken habe, seine Leute waren der Meinung, er müsste mir voraus sein, aber ich war mir sicher, dass ich ihn heute nie gesichtet hatte; - dies hat sich dann bestätigt, denn im Verlaufe der weiteren Abfahrt wurde ich zweimal angehalten und drauf aufmerksam gemacht, dass da am "Taglang La" Leute auf mich warten würden...
Der Schluss des heutigen Tages führte dann nochmals durch eine Gewaltsschlucht und ich musste pausenlos anhalten um das Szenario fotografisch festzuhalten.
Jetzt sitze ich in "Upshi" in einem Restaurant , höre mir das Gebimmel einer Gebetsmühle an und warte darauf, dass ich mein Zimmer beziehen kann.
[ 18.08.2008 ]
Tag 8
Nachdem ich gestern bereits das Industal erreicht hatte, blieben noch etwa 50 Kilometer bis Leh, meinem ersten grösseren Etappenziel.
Während dem Bepacken meines Bikes kreuzten dann noch etwa 5 Mitglieder einer italienischen Bikertruppe in Upshi auf und fuhren weiter; - als ich dann weiterradelte ging es grad zur ersten Steigung bis ich die "italienische Biker-Nationalmannschaft" eingeholt hatte. Wir haben uns kurz über unsere Reiseziele unterhalten, bis der Chef der Truppe meinte, sie sollten jetzt Gas geben und die ganze Truppe in einem kleinen Spurt den nächsten Hügel erklomm (die letzten Worte waren: "maybe we see you again...").
Als allerdings der nächste Downhill kam, fuhr ich mit meinem schwer bepackten Bike an allen vorbei und habe sie seither nicht mehr wieder gesehen... :--(
Die Ankunft war dann nach der eher einsamen Anreise ein kleiner Schock: lauter hupende Autos, verstopfte Strassen und Massen von Leuten (Einheimische & Touristen) !
Nach einem kleinen Mittagessen habe ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht und bin jetzt im "Padma Hotel" in einem (für hiesige Verhältnisse luxuriösen) Hotel untergebracht.
Das weitere Programm hier sieht dann etwa so aus: Einkaufen, Bike-Service, Klosterbesuche, Telefonieren, Emailen usw.

[ 19.08.2008 ]
Ruhetag 2
Wie schon erwähnt, Kultur & Erholung ist das Programm hier...
Heute habe ich mal wieder ausgeschlafen und das sogar ohne Ohrenstöpsel, was angesichts der nächtlich vorbeidonnernden Lastwagen, von bimmelnden Gebetsmühlen und vor dem Zelt rotzenden Einheimischen hier keine Selbstverständlichkeit ist... ;-)
Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Dachterasse des Hotels bin ich zum alten Königspalast von Leh hochgewandert (Foto) und habe Postkarten geschrieben.
Nach dem Mittagessen werde ich nochmals ins Internetkaffee gehen, (wo ich schon fast Stammgast bin) und meine wichtigsten Emails erledigen.
[ 20.08.2008 ]
Ruhetag 3
Heute bin ich um 05:00 Uhr aufgestanden um in der Thikse Gompa (Kloster) bei einer Morgen-Puja dabeizusein, was grad in zweierlei Hinsicht ein einmaliges Erlebnis war...
Zuerst mal zum eigentlichen Ritual, bei dem es sich um eine Art "Frueh-Gottesdienst" handelt, wenn man im Buddhismus so sagen kann. Das beginnt zuerst mit den Lama Moenchen, die schon laengere Zeit am Rezitieren ihrer monotonen Gebete sind.
Dann kommen nach und nach in festgelegter Reihenfolge Trompeter, "Schlagzeuger", Novizen und alle anderen Moenche und beteiligen sich an dem Ritual, was dann etwa 2 Stunden dauerte (kann aber bei religioesen Festen durchaus den ganzen Tag gehen...).
Dazwischen verteilen die Novizen den beruechtigten "tibetischen Buttertee" und bei einer weiteren Unterbrechung gibt es dann noch Tsampa die mit dem Buttertee zu Klumpen gepappt und dann gegessen wird. Das ganze Ritual wird bei einem Hoehepunkt oder einem Wechsel des Gebetes durch Trommeln und versch. Trompeten untebrochen, bzw. untermalt. Ich fand es jedenfalls ziemlich eindruecklich !
Nun denn zum zweiten Aspekt des Erlebnisses: Da stand ja ganz deutlich man sollte den Blitz nicht gebrauchen und praktisch in jedem Reisefuehrer wird erwaehnt, dass man die Moenche nicht grad aus 50 cm ins Gesicht fotografieren soll. Na entweder sind gewisse Leute einfach nur dumm oder auch noch respektlos dazu; - was ich da an Ignoranz gesehen habe uebertrifft alles !! Mir kam es vor als wuerden gewisse Touristen dieses Ritual nur als Folklore-Firlefanz anschauen, was schon ein bisschen traurig anzuschauen war.
Punkt.
Der Rest des Tages war dann mit Bike-Putzen, Einkaufen & Geldwechseln (auch ein spezielles Abenteuer) ausgefuellt, denn ich habe beschlossen, mich Morgen auf die Weiterreise Richtung Alchi, Lamayuru und Kargil zu machen, denn Leh ist schon auch bequem, aber vielmehr als Shops, Stau, Gehupe, gute Restaurants und viele Touristen bietet es nicht. So gibt es vermutlich die naechsten Tage keine News.
Julley (das ist der Multifunktionsgruss fuer Danke, Hallo & Auf Wiedersehen hier im Ladakh)

[ 21.08.2008 ]
Tag 9
Die "Wanderlust" hat mich wieder gepackt und so habe ich heute das frisch geputzte Bike wieder mit Gepäck bestückt und mich auf die Weiterfahrt gemacht...
Die weitere Route führt das Industal hinab und ich habe vor, immer mal wieder einen "Kultur-Stop" einzulegen; - das heutige Ziel war die "Alchi Gompa" ein nicht mehr aktives Kloster, welches dafür eines der ältesten im ganzen Ladakh ist.
Die Fahrt dahin war allerdings nicht nur so ein bisschen abwärts dem Indusfluss entlang (wie man es erwarten würde), sondern war mit einem "Pässchen" und insgesamt 850 Hm Aufstieg, sowie einer Abfahrt auf einer Strasse die gerade ausgebaut wird, bestückt. Eigentlich werden hier ja fast alle Strassen grad ein bisschen um- oder ausgebaut, aber das ist für die Einwohner hier auch eine wichtige Einnahmequelle: einen Monat Arbeit im Strassenbau bringt einem Arbeiter 2700 Rupien, was so in etwa 65.- SFr sind (Kommentar überflüssig...).
Nun ja, bin hier in "Alchi" angekommen und sitze grad in einem Gartenrestaurant unter einem Baum und geniesse ein kühles indisches Bier Modell "Godfather Super Strong" (also da schmeckt sogar ein Falkenbier noch besser...).
Aber ich will mich ja nicht beklagen, insgesamt ist dieses Abenteuer so in etwa das, was ich gebucht hatte ;-)
Morgen werde ich mir dieses Kloster anschauen und dann geht es weiter nach "Lamayuru", einem weiteren Kloster in der Nähe der Grenze zum moslemischen Teil des Ladakh's und dann soll angeblich nochmal ein 4100er-Pass kommen, bevor es nach Kargil geht (dem westlichsten Punkt meines Trips).
[ 22.08.2008 ]
Tag 10
Das frühe Aufstehen hatte leider nichts genützt, denn die Aufpasser- und Kassiermönche machten das Kloster erst um acht Uhr auf, so trank ich zuerst einen Kaffee und machte dabei die Bekanntchaft eines indischen Reiseradlers aus Bombay, der mich dann später noch durch's Kloster begleitete und einige Details erklärte. Danach wollte er natürlich unbedingt mein Reise-Bike besichtigen und war begeistert (ich ja auch...), allerdings bin ich dadurch heute etwas später losgeradelt, was ich dann spätestens beim einsetzenden starken Talwind bereute, denn so musste ich auch auf Downhillstrecken teils kräftig pedalen...
Irgendwann kam noch ein Checkpoint und kurz danach verliess die Hauptstrasse am momentan tiefsten Punkt meiner Reise (3000 m) das Industal und begann einem Seitenfluss entlang wieder zu steigen.
Was dann kam, war mal wieder ein Meisterstück der Organisation "Himank Project" (das sind die Strassenbauer des indischen Militärs), die haben durch eine unmögliche Schlucht eine schwindelerregende Strasse hingebaut, sodass ich trotz Linksverkehr manchmal auf der rechten Strassenseite fuhr (irgendwo lag auch mal ein abgestürzter Tankwagen im Talgrund).
Nach etwa 500 Hm Aufstieg bin ich nun im Dorf Lamayuru angelangt und habe mich bei einem ladakhischen Bauern in seinem Guesthouse einquartiert. Die Bauern sind momentan schwer am Ernten und so langsam kommen sie von den Feldern zurück und dann soll es Original "Ladakhi Kitchen" geben...
[ 23.08.2008 ]
Tag 11
Hier in Lamayuru habe ich es nochmals mit dem Besuch einer Morgen-Puja im Kloster versucht; - hier haben die Mönche es etwas besser organisiert, direkt am Eingang sass ein "Polizei-Mönch", der sofort jeden Touristen und auch spielende Novizen ermahnte.
Dann machte ich mich weiter auf meine "Baustellenbesichtigung" durch den Ladakh Richtung Westen. Um meine 4000er-Sammlung zu komplettieren durfte natürlich auch der "Fatu La" nicht fehlen; - dass dahinter grad nochmals ein Pass kam, hätte ja nicht unbedingt sein müssen. Die Abfahrt durch ein wunderschönes Tal entschädigte mich dann jedoch für den geflossenen Schweiss.
Übernachtet habe ich dann in Mulbek, wo in etwa die Grenze zwischen buddhistischer und diesmal moslemischer Religion liegt.

[ 24.08.2008 ]
Tag 12
Nach den zwei Paessen von gestern hatte ich nicht mehr wirklich den Biss bis Kargil zu fahren (auch wenn es mehrheitlich bergab gegangen waere). Deshalb nun heute ein halber Ruhetag und es ist wohl auch besser, wenn man Kargil im ausgeruhten Zustand "geniesst" (also in meinen Reiseunterlagen kursiert es unter dem Codewort "Wanzenloch"). Hier ist ein bunte Mischung aus mindestens 5 Voelkern vertreten und es herrscht ein grandioses Chaos. Zuoberst auf einem Riesenberg steht eine indische Armeestellung und gleich dahinter ist die Waffenstillstandslinie zu Pakistan (der letzte Beschuss durch die Pakistanis soll drei Monate her sein...).
Ich will eigentlich nur wieder weg von hier, muss aber noch Geld wechseln bevor ich ins Zanskartal fahre und heute ist eben Sonntag. Falls also alles klappt, so fahre ich morgen weiter und dann wird man wohl bis Padum wieder nichts mehr von mir hoeren...

[ 25.08.2008 ]
Tag 13
Ich hatte im letzten Eintrag noch geschrieben, dass ich eigentlich nur "weiter wollte" und jetzt weiss ich auch sicher weshalb: der Unterschied zum buddhistischen Teil des Ladakhs und hier (im moslemischen Teil) ist ziemlich deutlich spürbar; - hier standen bei einer Rast gleich mal 7 Leute um mein Bike rum und befingerten ohne zu fragen alle Hebel meines Bikes, was mir vorher nie passiert ist.
Heute wurde ich von einer ganzen Bande Jugendlicher ohne triftigen Grund mit Steinen beworfen und konnte nur noch die Flucht ergreifen; - wohlverstanden: mindestens 2 Erwachsene sahen dem Geschehen ungerührt zu...
Jedenfalls habe ich heute fast 80 Kilometer und über 1000 Hm Aufstieg gemacht (ohne weiteren Kommentar...). Teer gibt es hier übrigens nur noch in den Dörfern und auch da eher spärlich. Ich muss aber auch noch anmerken, dass das Suru-Tal bisher der landschaftlich schönste Teil der ganzen Reise ist. Im Moment sitze ich hier in 3500 Metern vor dem Zelt (weit weg jeder menschlichen Behausung) und trinke Chai und höre ein bisschen Schweizer-Musik (& hoffe, dass ich bald im Zanskar bin).

[ 26.08.2008 ]
Tag 14
Je näher ich dem "Penzi La", dem letzten 4000er-Pass kam, desto mehr hat sich dann meine Laune wieder gebessert. Kurz vor Juldo wurde ich von zwei Arbeitern zu ihrem einfachen Mittagessen eingeladen (Gesalzener Tee und Tchapati).
In Juldo habe ich dann noch eine polnische Reisegruppe getroffen, deren Toyota-Büssli grad den Geist aufgegeben hatte; - nun stritten sie sich mit dem Fahrer um den Betrag für die halbe Strecke (auch Abenteuer-Urlaub).
Ganz schön verlassene Gegend hier oben, der Teer ist nun schon längere Zeit vollends ausgegangen und manchmal (meistens) rumpelt es ganz schön beim Fahren.
Ich habe übrigens wieder etwas von der "italienischen Bike Nationalmannschaft" gehört, sie sollen mir etwa einen Tag voraus sein.
Weiter ging es dann am Kloster von Rangdom vorbei und hier auf einer grünen Schwemmebene habe ich mein Lager auf 4000 Metern eingerichtet.

[ 27.08.2008 ]
Tag 15
Nach einer stürmischen Nacht mit Regen waren am Morgen alle umliegenden Gipfel frisch verschneit. Als ich mit dem Frühstück fertig war, erhielt ich einen kurzen Besuch von Hirten und dann machte ich mich auf den Weg zum 4500 Meter hohen "Penzi La", der auf dieser Seite netterweise eine gleichmässige Steigung aufwies.
Das mit der Höhe hat sich inzwischen eingependelt und macht mir eigentlich keine Mühe mehr, wenn die Strasse aber nur noch aus Löchern besteht ist es einfach schwierig einen gleichmässigen Rythmus zu erreichen.
Da der Weg hier mit lauter sechs- und siebentausendern gesäumt ist, wird der Wind der Gletscher und der thermische Talwind oft ein Problem, dann wird es _echt_ anstrengend...
Unterwegs habe ich noch zwei Schweizer getroffen, die mich dann auf die irrwitzige Idee gebracht haben eine 95 Kilometer Etappe bis nach Padum hinzulegen und nun sitze ich hier im Dunkeln in einem Restaurant in Padum bei einem "Godfather Superstrong" ; - denn der Strom ist im Dorf grad komplett ausgefallen und die Bedienung verteilt jetzt Kerzen (echt romantisch).
Morgen steht mir die Organisation der Weiterreise bevor, ausserdem ist es radelmässig ein verdienter Ruhetag.
(Foto: "Durung Durung Gletscher")
[ 28.08.2008 ]
'Ruhetag 4'
Eigentlich würde ich ja gerne meine Weiterreise nach "Darcha" einfädeln, aber das scheint ein wenig schwierig zu sein, denn am 30. August finden hier irgendwelche Parlamentswahlen statt und das läuft nicht ganz so ruhig ab wie bei uns.
Zuerst ist mal ein massives Polizeiaufgebot festzustellen, die alle mit Bambus- oder Kunststoffschlagstöcken und z.T. Maschinenpistolen ausgerüstet sind (und natürlich die lokale Infrastruktur hoffnungslos überfüllen). Dann kräht dauernd ein Anheizer aus Blechlautsprechern auf die Gegend ein und alle sind irgendwie aus dem Häuschen.
Das Ganze gestaltet meine Weiterreise auch nicht einfacher. Ich war jetzt ungefähr schon 5 mal beim Tourist-Office und das ist entweder geschlossen, geöffnet und unbesetzt, oder geöffnet und besetzt, nur leider durch einen inkompetenten Zanzskari der kein Wort englisch versteht (Indien halt).
Erfolg - Erfolg: meine 2 Pferde sind gechartert und der Preis ist (...wenigstens mal vorläufig) abgemacht, allerdings starte ich bereits bei der 2. Tagesetappe des Trekkings von Padum nach Darcha. Falls alles klappt, so bin ich dann in 7 Tagen wieder an der Strasse, wo ich anfangs mal durchgekurvt bin. Die Route führt dem Flusstal des "Tsarap" entlang und über den "Shingo La" einen letzten 5000er-Pass.
Mal sehen, jedenfalls gibt es unterwegs bestimmt keinen Internetanschluss mehr...

[ 29.08.2008 ]
Trekking 1
06:00 Aufstehen, hiess es heute, denn das Gepäck musste auf "Pferdetransport" umgestellt werden und meine Wenigkeit musste sich auf den "Trekking-Modus" einstellen...
Pünktlich um 08:00 stand dann das Taxi vor dem Hotel, das mich zum Start der ersten Trekkingetappe bringen sollte.
In "Raru" waren dann insgesamt 5 kleingewachsene Pferde angebunden, von denen dann zwei mit dem "verkleinerten" Bike und meinem Gepäck beladen wurden. Dann ging es los und mein "Horseman" musste immer mal wieder eingreifen wenn die Pferde einen anderen Weg gehen wollten, oder einfach nur eine Pause zum Fressen machten...
Die Strecke wurde immer abenteuerlicher und von Strasse war bald gar nichts mehr zu sehen; - der "Weg" bestand oft nur noch aus einer 50 cm breiten Spur in einer seeehr steilen Halde, welche ein paar hundert Meter weiter unten im Fluss endete !
Bald wurde ich zum Hilfs-Pferdeführer und führte unsere kleine Karawane an und kam mir vor wie in Karl May's "Durchs wilde Kurdistan"...
Als dann Norbuu Tundub (eben mein "Horseman") meinte, ich solle auf eins der Pferde aufsteigen, da war ich mir ja nicht so ganz sicher angesichts der abschüssigen Umgebung; - ich liess mir aber nichts anmerken, denn Indianer kennen ja bekanntlich keinen Schmerz. Und dann war wiedereinmal der Moment da, wo ich sagen musste: JA, genau das ist es wohl - deshalb bin ich hergekommen und hab all das gemacht um hier auf diesem Pferderücken zu sitzen und trotzdem bei jedem Seitenblick auch ein wenig Angst zu haben...
(Bild: Norbuu's Stube / Küche in Surle)

[ 30.08.2008 ]
Trekking 2
Nachdem wir gestern 8 Stunden unterwegs waren, gab es dafür heute eine kurze Etappe und nun sitze ich schon in Purne unter dem Dach, denn ausnahmsweise regnet es mal wieder. Die "Polen", die eigentlich Tschechen sind, kreuzten hier mal wieder meinen Weg (Foto); - sie hatten sich eigentlich vorgenommen, den "Shingo La" zu Fuss mit Rucksack zu überqueren, aber seit heute (mit vielen Blasen an den Füssen) sind auch sie auf der Suche nach einem "Horse-Man".
Nur: das scheint jetzt während der Erntezeit etwas schwierig zu sein, was ich ja selbst schon festgestellt hatte.
[ 31.08.2008 ]
Trekking 3
Heute war ein Ausflug nach der "Pukhtal Gompa" angesagt, einem der sehr besonderen Kloster hier in in ganz Ladakh, das in eine grosse Höhle gebaut ist und deren Mönchswohnungen geradewegs an den Fels geklebt wirken.
Nach der 4 stündigen Wanderung bin ich nur noch etwas rumgehängt und habe mich gefragt, ob morgen denn mein "Horse-Man" wieder zur abgemachten Zeit da wäre...

[ 01.09.2008 ]
Trekking 4
..... er war da; - es ist zwar jetzt ein anderer (er heisst "Ramdas"), aber Norboo hat mit ihm alles geklärt und so sind wir um 9 Uhr zusammen Richtung "Kargiak" losmarschiert, wo wir nach 6 Stunden Marsch über diverse Schotter- und Sand-Trampelpfade auch angelangt sind.
Auch heute wurde ich mal wieder eingeladen, diesmal von einer französisch-belgischen Trekkinggruppe, deren Guide ganz zufällig der Cousin von Norboo ist (ja, dieses Tal scheint ein Dorf zu sein).
Ein anderer Grund für den "Pferdemangel" ist übrigens, dass fast alle Familien den Winter über mindestens ein Kind zur Schule nach Manali schicken; - und auch deren Weg führt per Pferd über den "Shingo La".
Foto: im Vordergrund das Zelt meines "Horse-Man" in Kargiak.
[ 02.09.2008 ]
Trekking 5
Der Herbst kommt hier wirklich spürbar näher, heute Nacht war es saukalt und am Morgen lag Reif auf meinem Zelt; - da frage ich mich dann schon, wie die "Horse-Men" dies in ihren Blachenzelten überleben, wo es an allen Ecken und Enden reinzieht.
Als wir beim Zusammenpacken waren, da kam eine aufgeregte Zanskari-Frau mit einem jungen "Dzo" (sieht ein bisschen aus wie ein Yak ist aber keins) und fragte Ramdas, ob ich das Tier nicht auf die Hochweide führen könne, denn es sei von der Herde abgehauen. Ich hatte nichts dagegen und so banden wir es an einen Stein, aber schon nach 5 Minuten hatte das Tier die morsche Leine zerrissen und freute sich über die Freiheit und entschwand.
Nach einer Weile kam die Frau wieder und sagte, Sie wolle das Tier ein Stück weit hinaufführen, dann könnte ich es übernehmen; - so war es dann, nach einer Stunde Marsch übergab Sie mir das Ding und so bin ich jetzt auch noch zum "Hilfs-Dzo-Hirten" geworden... Es machte allerdings keine weiteren Schwierigkeiten und auf der Alp oben lieferten wir es bei den Hirten ab.
Der Tages-Treck führte uns heute zum "Shingo La - Basecamp", einem etwas schmuddeligen Ort, da die Touristen alles liegenlassen. Die Pferde haben sich mangels Gras auf der gegenüberliegenden Talseite ihren Futterplatz gesucht.
(Foto: der 5320 Meter hohe "Gumburanjon")

[ 03.09.2008 ]
Trekking 6
Nach Frühstück, Zusammenräumen und Pferde Packen, machten wir uns auf den Weg über den "Shingo La" (5095 m) und da wir zügig vorankamen, sind wir für's Nachtlager schon in "Zanskar Sumo" angelangt, was nur noch einen Tages-Treck von der Zivilisation entfernt ist...
Dieses Trekking hier scheint doch einigermassen bekannt zu sein, denn man sieht allerhand verschiedene Leute hier:
- da ist mal die geführte Schweizer Mountain-Bike-Gruppe mit etwa 10 Personen, die einen Tross von etwa 20 Pferden hinter sich her zieht. Für etwa 6000 SFr. darf man dann sein Bike über den Pass tragen und auf der Zanskar-Seite ab und zu etwas fahren (ist bestimmt ganz toll).
- Dann habe ich heute eine (wohl indische) Gruppe gesehen, denen man die Höhenkrankheit und die mangelnde Kondition schon von weitem ansieht (dangerous!).
- Dann gibt es natürlich auch die seriösen, die sich gut akklimatisieren und sogar ihr eigenes Gepäck tragen.
- Und zuguterletzt natürlich die, die ihr Gepäck tragen wollten und dann doch noch einen "Horse-Man" suchten, was dann täglich für neue Frustrationen sorgt... (- es sind die Tschechen gemeint.)
Foto: so sieht mein Bike auf dem Pferd aus...

[ 04.09.2008 ]
Trekking 7
Als wir gestern in "Zanskar Sumdo" ankamen blies schon ein heftiger Wind und später begann es zu schütten und hörte die ganze Nacht nicht auf. Als wir am Morgen aufstanden, waren wiedereinmal alle Gipfel frisch verschneit (wie es jetzt auf dem Pass oben aussieht, kann man sich nur ausmalen...).
Wir warteten 2 Stunden bei Chai und Guetsli in Ramdas Blachenzelt und tatsächlich war uns der Wettergott gnädig und so konnten wir bei eitel Sonnenschein den Weg Richtung Strasse und Zivilisation unter die Füsse, bzw. Hufe nehmen. Die Pferde waren allerdings heute ziemlich müde, was auch nicht weiter verwunderlich war, da wir am Vortag die Strecke von drei Tagesetappen zurückgelegt hatten und sie in der Nacht im Regen rumstanden.
Um die Mittaszeit erreichten wir "Palmeo", wo der Weg langsam wieder fahrbar wird; - so entluden wir die Pferde und ich sortierte meinen Krempel um wieder auf's Bike umzusteigen. Dann hiess es Abschied nehmen um ein letztes Mal eine Schotterpiste nach "Darcha" runterzufahren.
Etwa 500 Meter vor dem Ort trat dann der allererste Defekt an meinem Bike auf (Feder des Kettenspanners erlitt einen Ermüdungsbruch...), was mich allerdings nicht besonders störte, da ich den "Rohtang La" nicht wirklich ein zweites Mal fahren wollte !
Unten im Ort stand grad ein Jeep-Taxi für mich bereit und jetzt sitze ich schon in Keylong und geniesse die Freuden der Zivilsation: was eine warme Dusche, ein richtiges Bett und ein Nachtessen an einem richtigen Tisch wären (man wird ja bescheiden).
Morgen geht es dann schon wieder über den "Rohtang La" nach Manali, wobei ich diesmal alle Schlaglöcher und Schlammstrecken aus der Jeep-Perspektive begutachten kann.
[ 05.09.2008 ]
Rueckreise 1
Der Taxifahrer von gestern hat sich die Chance nicht entgehen lassen und sich grad noch fuer die Weiterfahrt nach Manali anerboten (er hat dazu einfach im Schlafsack im Taxi uebernachtet). So sind wir heute um acht Uhr losgefahren und ich konnte die Strecke bis Manali rueckwaerts nochmals aus dem Jeep anschauen (und habe mich doch manchmal gefragt, ob ich das wirklich alles gefahren bin ??).
Trotz diversen Stopps zwecks Baustellenbesichtigungen schafften wir die Fahrt in knapp 6 Stunden und so sitze ich jetzt wieder in Manali und werde mich & mein Bike auf die Rueckreise nach Delhi & Zuerich vorbereiten.
(Foto: typischer Truck am "Rohtang La")

[ 8./9.9.2008 ]
Rückreise 2 & 3
Nach Einkäufen und der Organisation der Rückfahrt, habe ich mich erneut auf die 500 Kilometer Busfahrt zurück nach Delhi gemacht, diesmal wusste ich allerdings wo die schlechten Schlafplätze im Bus sind, drum gab's auch ein bisschen mehr als "Semi-Sleep" !
Auch sonst habe ich in den vergangenen vier Wochen so meine Erfahrungen gemacht; - so bekam der Gepäck-Boy des Busses statt der frech verlangten 200 (!) Rupien leider nur 20 und die Hotel-Nacht in Delhi für 4000 Rupien ist auch ausgefallen, dafür bin ich jetzt für 1300 Rupien in einem besseren Hotel untergekommen und mit dem Rest kann ich erst noch Nachtessen gehen... - man lernt dazu.
Als wir heute Morgen hingegen mit dem Bus langsam Richtung dieser Mega-Stadt fuhren, da bin ich trotzdem wieder nur staunend an der Scheibe geklebt und habe mir diese irren Sachen / Menschen angesehen, die da am Bus vorbeizogen !
[ 09.09.2008 ]
Rückreise 4
Da sich meine Reise in Indien abgespielt hat, möchte ich ein paar Dinge aufzählen die mir als Unterschiede zu unserer Welt so aufgefallen sind:
- die Kühe: sie sind zwar heilig, was aber nicht unbedingt ihr Glück ist, denn sie leben auf der Strasse und fressen all die Abfälle, die ihnen die Menschen hinwerfen (und wenn es manchmal einfach Wellkarton ist). Insgesamt sehen sie jedenfalls nicht sehr gesund aus. Da die Tiere frei herumlaufen, kann es durchaus mal sein, dass sich eine Kuh in einem unbeaufsichtigten Augengenblick die Auslage eines Ladens genauer anschaut oder die Blumendekoration eines Restaurants verspeist (es gibt dann schon auch noch die, die das Glück haben, irgendwo auf einer Bergwiese zu grasen).
- Das grosse Rotzen: Am Anfang kann man es ja fast nicht glauben; - es wird hier gerotzt und gespuckt, was das Zeug hält. Morgens tönt das dann wirklich ganz appetitlich, einmal lag ich im Zelt und wollte eigentlich ausschlafen aber es war beim besten Willen einfach nicht zu machen !
- Die Hunde: wenn bei uns der Hund als "des Menschen bester Freund" bezeichnet wird, so gilt das hier mal bestimmt nicht. Die Hunde teilen sich mit den Kühen die Abfälle und liegen tagsüber meist nur dösend auf der Strasse um sich dann Nachts auf die Suche nach Speiseresten zu machen und ein irres Kläffkonzert anzustimmen. Wenn mal ein Hund im Weg ist, so wird er kurzerhand weggekickt (oder überfahren)...
- Verkehr: Ich habe schon bei der Ankunft in Delhi die Hierarchie der Strasse erwähnt, da komme ich mit dem Bike ganz unten zwischen Motorrad und Fussgänger (weiter unten kommt nur noch der Hund). Manchmal gibt es auch sehenswerte (und gefährliche) Momente; - wenn z.B. lange Armierungseisen transportiert werden müssen und leider kein so langes Fahrzeug vorhanden ist, so werden die Eisen gebogen und auf ein Pickup geladen. Die überlangen Enden hängen dann auf den Teer hinunter, sodass das Fahrzeug ein Schar von Eisenenden hinter sich herzieht (wobei auch mal ein Eisen auf die Strasse fallen kann). - dies nur ein Beispiel.
- Das "Beschäftigungsprogramm": dieser Punkt ist mir schon in den ersten 15 Minuten beim "Baggage Claim" in Neu Delhi aufgefallen; - wenn bei uns auf dem Flughafen ein Mann damit beschäftigt ist, die Gepäck-Trolleys zusammenzusammeln und wieder dahinzubringen wo sie gebraucht werden, dann sind es für denselben Job in Indien mindestens 5 Leute und dann braucht es noch einen "Supervisor" (und vermutlich noch einen "Chief-Supervisor", der die Supervisor kontrolliert - also dann gar nichts mehr tut...) und so haben alle ein Auskommen hier, denn es gibt _viele_ Inder !
- Informationsbeschaffung: Also zuerst mal folgendes; - fast alle Inder sind freundlich & geben Dir bereitwillig Auskünfte, wenn Du sie beispielsweise nach einer Bank oder einem Hotel fragst....
Aaaaber Vooorsicht: die Information ist echt in den seltensten Fällen korrekt.
Beispiele: Distanzangabe 130 Km; waren dann 240 Km (- eine Kleinigkeit, man sagt glaub ich "Peanuts"), Bank: Informant 1 - rechts 1 Kilometer, dann links hinunter / Informant 2 - links 500 Meter etc.
Nach Strassenverhältnissen sollte man sowieso nie fragen, denn die sind immer "good".
Am allerbesten fragt man etwa alle 50 Meter und bildet sich dann einen Mittelwert oder kreist das Ziel sozusagen ein...
Bin übrigens jetzt wieder in Delhi, wo alles angefangen hat und es ist heute drückend heiss. Ich bereite mich seelisch auf den "Wiedereintritt" in den Schweizer Alltag vor und werde mein Bestes geben um mich wieder zu integrieren, aber verzeiht mir bitte, wenn ich aus Versehen mal kurz in die Ecke spucke...
;-)

[ 22.09.2008 ]
Zuhause
Ich bin jetzt auch schon wieder eine Woche daheim und versuche mich ernsthaft wieder in den Alltag einzuleben, was nicht ganz einfach ist. Wie immer gibt es noch die 'Zahlen' zu diesem Abenteuer:
- 939 Kilometer Strecke (davon mind. 50 % Piste)
- 12'900 Höhenmeter Aufstieg
- 4 4000er-Pässe mit dem Bike
- 2 5000er-Pässe mit dem Bike
- 1 5000er-Pass mit Pferde-Trekking
Es war echt spannend & ich würde es wieder tun, habe allerdings noch keine konkreten Pläne für weitere Ausflüge (was nicht heisst, dass da nicht ein paar Ideen existieren würden). Mein Dank geht auch diesmal wieder an Cyrill Meier & alle meine Freunde, die mich unterstützen, aber natürlich auch an meine geduldigen Kunden, die es hinnehmen müssen, dass ich solange durch die Pampa radle...
Auf ein nächstes Mal.
