[ 03.08.2007 ]
Reisevorbereitungen
Das Bike ist schon verpackt aber das Chaos ist immer noch grossartig. Noch 10 Stunden bis zum Abflug und noch wartet viel Arbeit...
Ich bin ein wenig nervös, aber ich freu mich natürlich auch; - nur diese ganze Reiserei bringt doch einiges an Umtrieb mit sich.

[ 04.08.2007 ]
Anreise
Nach 3,5 h ist der Edelweiss-Airbus bei starkem Nordwind ruhig in Kevlavik gelandet. Mit grosser Freude habe ich gesehen, dass sogar mein Bike aus dem Bauch der Maschine entladen wurde ! (1 +).
Danach bin ich mit dem Bus nach Reykjavik gefahren wo ich Nachts um 03:00 (CH-Zeit) noch mein Zelt aufgebaut habe.
Heute kann ich mir schön Zeit lassen, mein Bike zusammenbauen und ein bisschen Sightseeing machen und Läden auschecken, da ich noch diverse Dinge für die Reise brauche (Food, Benzin).
[ 05.08.2007 ]
Shopping & Ankommen in Reykjavik
Nachdem ich in der Nacht in Reykjavik angekommen bin, schlief ich ein wenig aus, da wegen der Zeitverschiebung von 2 Stunden die Uhren eh anders gehen...
Am Morgen musste ich diverses organisieren: Benzin und Lebensmittel kaufen, einen Platz für den Bikekarton & das Werkzeug suchen, etc. etc.
Dann am Nachmittag hat sich sogar noch der N-Wind gelegt und die Sonne ist rausgekommen, so konnte ich mit Shorts & T-Shirt etwas rumhängen (kaum zu glauben...).
Als ich mit dem Bike Shoppen war, hab ich so richtig Lust aufs Radeln bekommen, so hab ich mich entschlossen einen Tag früher loszufahren.
[ 06.08.2007 ]
Unterwegs 1
Bin also heute losgezogen Richtung "Geysir". der Mutter aller Geysire (von diesem Ort haben alle anderen Geysire ihren Namen...).
Wie man am Foto erkennt, hab ich es geschafft, aber schön alles der Reihe nach: Heute war ein isländischer Feiertag, deshalb war auch entsprechender Verkehr auf der Strasse und auf der ersten Piste zwischen Allmanagja und Laugarvatn kam ich das erste Mal in den Genuss einer richtig schönen Waschbrettpiste und auch eingestaubt wurde ich von irren rasenden Isländern mit monstösen 4x4-Gefährten (z.T. Halbe Monster-Trucks), - jedenfalls knirschte es auch schon das erste Mal zwischen den Zahnen...
Einen neuen Kollegen habe ich auch gefunden, er heisst "Drizzle" und scheint irgendwie der Star in der isländischen Meteoprognose zu sein... - es handelt sich dabei um einen Regen, bei dem Du nie ganz sicher bist, ob es nun "wirklich" regnet. Falls Du die GoreTex-Montur aber nicht anziehst, so bist Du garantiert in 15 Minuten nass !
Heute hat mich Drizzle etwa 4 mal überholt...
Und sonst; bin jetzt in Geysir und werde Morgen Richtung erste Piste, der Kjölur losfahren, davor gibts aber als Goodie noch den Gulfoss (ein toller Wasserfall) zu besichtigen, von da gehts dann kräftig rauf ins Hochland, das auf über 1000 Metern liegt (da werde ich vermutlich nichts mehr ins Blog schreiben können wg. Funkloch).

[ 7.08.2007 ]
Unterwegs 2/A
Heute bin eher spät aufgestanden, aber das ist das Schöne in Island, Du kannst locker um 22:00 noch mit dem Bike rumradeln und dann gemütlich noch dein Zelt aufstellen; - die Nacht ist hier so kurz.
Als erstes bin ich also 15 Kilometer zum Gulfoss (eben dieser / noch ein Wasserfall - es ist ja sowieso jeder noch schöner....) geradelt, wo ich mich für kurze Zeit unter die Touristen gemischt habe. (Aber lange habe ich es da nicht ausgehalten, denn den Langjökull-Gletscher konnte man schon gut sehen und da wollte ich hin.
[ 7.8.2007 ]
Unterwegs 2/B
Weil es so fotogen war, gibt es noch einen zweiten Eintrag... Nun war ich also auf der "F35" und bald kam auch die "malbik endar"-Tafel in Sicht, was ungefähr heisst: "hier ist uns grad das Geld für den teer ausgegangen". Ich bekam aber endlich das, was ich gebucht hatte, Pistenkilometer in Super-Umgebung !
Das kurze Stück bis jetzt lässt langsam das Gefühl aufkommen von "ja, genau das ist es, worauf ich jetzt wieder ein Jahr gewartet habe !".
Dieses "ja genau" wurde dann noch konkreter, als ich auch noch den Schlafplatz für heute, eine Hütte am "Hvitarvatn" erreicht hatte (das Foto zeigt die Aussicht aus meinem Zelt)
Ich hatte bis jetzt leichten Rückenwind und nettes, vorallem trockenes Wetter; - man wird da in Island schon anspruchsloser, trocken, ohne Wind ist da schon toll !
Bikergeschichte des Tages (erlebt in Reykjavik): Paar macht sich optimistisch mit Tandem auf nach Island und fährt von Keflavik direkt über Grindavik an die erste ziemlich rumplige und hügelige Piste und gibt wegen Gegenwind am dritten Tag auf (zurück nach Hause).

[ 8.8.2007 ]
Unterwegs 3/A
Heute wurde ich durch einen der isländischen Tage geweckt, die man schon fast traumhaft nennen könnte, obwohl wir auch hier nicht von windstill und 30 Grad reden...
Es liegt wohl eher so bei 10 Grad aber die Sonne scheint mal ab und zu durch die Wolken und mein Freund Drizzle hat wohl die Abzweigung zur Kjölur verpasst !
Angefangen hat der Tag grad mal mit der ersten Furt und da heisst dann eben Schuhe und Socken aus, Sandalen anziehen und Hosen raufkrempeln. Dann wird mal vorsichtig reingeschoben und gehofft. Bei der Furt vom Foto kam nachher ein 4x4 mit Franzosen und die haben ja nicht grad die Superfigur gemacht, trotz ihres Riesenteils...
Na jedenfalls gings dann wieder auf die Hauptpiste und 20 Kilometer später kam dann die Abzweigung nach "Kerlingafjöll", einem Abstecher den ich mir so "Turi"-mässig eingeplant hatte.
[ 8.8.2007 ]
Unterwegs 3/B
Die Piste nach Kerlingafjöll war allerdings nur noch dritte Qualität und das erste Mal _wirklich_ anstrengend !!
In Kerlingarfjöll gab es dann noch dieses Thermalgebiet, nur lag das noch etwa 200 Hm weiter oben, das durfte ich dann wenigstens ohne Gepäck fahren allerdings war die Piste dann von der Kategorie "Jeep-Track" (sausteil & sauschlecht !!). Oben dafür ein echt schräges Gebiet direkt unterhalb des Gletscherrandes wo alles ein bisschen farbig ist und man deutlich sieht, dass da allerhand "Chemie" zum Berg rauskommt... Da und dort hat es eine Dampffahne. Manchmal zischt es aus einem Loch und überall riecht es nach Schwefel...
Jetzt lieg ich allerdings nach meinem "Expeditions-Rindfleisch-Kartoffel-Eintopf" bereits müde in meinem Schlafsack und höre noch etwas Musik und realisiere mehr und mehr, dass ich wirklich in Island bin !
(Ich sollte mal wieder erwähnen, dass heute Mi der 8.8.07 ist, weil die Einträge im Blog alle am selben Tag gepostet werden)
Hier noch die Bikergeschichte des Tages (mit vielen Hinweisen im Web, es eben genauso nicht zu tun): Heute gesehen: Pärchen unterwegs mit Citybike, schmalen Pneus und einem Billig-Gepackträger, Resultat: Gepäckträger futsch, Retour nach Akureyri).

[ 9.8.2007 ]
Unterwegs 4
Der heutige Tag war einiges einfacher als gestern, denn nun konnte ich die ganzen Höhenmeter aus dem Kerlingafjöllgebirge runteradelnd "vernichten", dann unten auf der Hauptpiste bog ich nach rechts ab in den vollen Rückenwind und rollte (& rumpelte) mit bis 25 km/h über die Piste... Ein Schoggi-Tag für eine Island-Tour, das musste ich spätestens nach dem zweiten Gespräch mit Bikern erkennen, die in der entgegengesetzten Richtung unterwegs waren (Sie waren entschieden nicht so guter Laune wie ich !). Schon etwa um 14:00 erreichte ich Hveravellir, das nächste meiner touristischen Ziele. Zur Abwechslung ist es mal wieder ein Geothermalgebiet, aber zuerst hab ich das Zelt auf dem Campingplatz aufgestellt (an einem einsamen Platz am Bach) und dann habe ich ein etwa dreistündiges Trekking zu einem alten Vulkan gemacht, der vor 6600 Jahren in der Vergangenheit das ganze Gebiet mit Lava zugedeckt hat... Eine eindrückliche Sache nun durch diesen Vulkan zu spazieren; - vorne bei Hveravellir findet man in Form von dampfspeienden Löchern und den Thermalquellen noch andere Spuren dieses Ereignisses.
Nun zum "Highlight" des Tages: als ich zurückgekommen bin von meinem Vulkan hat mir eine deutsche Reisegruppe (ich kann auch nichts dafür, dass es immer die Deutschen sind....) ihr Kochzelt und NUR ihr Kochzelt 3 Meter vor meinen Zelteingang hingestellt, sodass ich nur noch ihr Kochzelt sehen kann und ausserdem interessiert mich das Geplapper dieser Gruppe echt stark, aber das ist auch kein Problem, denn ich versteh zwangsläufig jedes Wort (seeehr sensibel).
Das Foto: Am Morgen dann Entspannung im Hot-Pool, der direkt aus den heissen Quellen gespeist wird...

[ 10.8.2007 ]
Unterwegs 5
Und Flup machts und die Piste hat mich am anderen Ende wieder ausgespuckt...
Bin also noch etwa 15 Km von der Ringstrasse entfernt und campe da mehr oder weniger im Strassengraben an der Kjölur-Zufahrtsstrasse (nicht wirklich idyllisch).
Nachdem sich das Kochzelt vor meinem Zelt wieder entfernt hatte (nicht ohne Morgens um sieben munteres Frühstücksgeplapper von sich zu geben, damit der arme Schweizer Radler bloss nicht verschläft !), nehme ich im Hotpool ein nettes Bad bei 30 Grad (siehe Unterwegs 4) und schaue mir auch das Thermalgebiet (siehe Foto) etwas genauer an (jetzt am Morgen gibt es noch keine Busse mit Touristen).
Hier kommt übrigens sogar aus der WC-Spülung heisses Wasser, die haben einfach bei so einem Blubbertopf ein Rohr angeschlossen und das ist jetzt ihre Warmwasserversorgung und auch Heizung !
Nach dem obligaten Zusammenpacken / Zelt abbrechen etc. mache ich mich gemütlich auf den Weg um eben nach weiteren 70 Kilometern wieder in der Zivilisation zu landen (nächste Ausfahrt aus dem Kieswerk: 100 Meter links...).
Mein erstes Fazit zu dieser Piste: manchmal schon ein bisschen streng, aber es lohnt sich allemal (und wie!). Jedenfalls bin ich jetzt "eingefahren", sodass der F26 (=Sprengisandur) eigentlich nichts mehr im Weg stehen sollte...
Aber auch hier; - eins nach dem Anderen. Morgen will ich nach Akureyri (der Hauptstadt des Nordens) um mich da zu erholen und die Vorräte zu ergänzen. Anfang nächster Woche soll es dann auf die 2. Piste weitergehen.
(Heute ist Freitag der 10.8.)

[ 12.08.2007 ]
Unterwegs 6
Radlermässig war der heutige Tag eher kurz, denn ich musste nur zur Ringstrasse und über einen Berg nach Varmahlid, wo ich den Bus nach Akureyri nehmen werde, da die Strasse sehr befahren und nicht sehr interessant ist (OK, es waren doch noch 34 Km, damit keiner meint ich hätte es hier zu schön)...
Dafür habe ich zwei sympathische ältere Radler aus den USA getroffen; - Tina (aus Mexiko) & Robert (aus Kuba), sie gehen die Sache sehr gemütlich an und machen sich höchstens etwas Sorgen wegen des anhaltend feuchten Wetters im Norden.
Hier ist es wirklich merklich kälter geworden und dazu kommt ein Nebel, der macht Dich in kurzer Zeit recht nass (aber so soll es ja sein, wär ja noch was, wenn es in der Schweiz mehr regnen würde als in Island !!).
Jedenfalls sitze ich jetzt hier in einem dieser multifunktionalen "Servicecenter" mit Tankstelle, Restaurant und Supermarkt und vertreib mir die Zeit bis zur Busfahrt mit Karten schreiben und Leute beobachten...
Dieses Lokal wo ich jetzt am Kaffeetrinken bin, ist so eine Art soziale Drehscheibe hier, da kommen alle mal vorbei und shoppen oder kaufen sich Eis !! Ja, wirklich, da draussen hat es Nebel und vielleicht so 10 Grad, aber am Glacéstand hat es fast immer eine Schlange (vielleicht sagt man sich "jetzt erst recht" ?).
Das Foto zeigt den in Island immer sehr ueppig ausgestatteten Suessigkeitenstand des Ortes wo ich auf den Bus gewartet habe...

[ 14.08.2007 ]
Ruhetage in Akureyri
Viel gibt es / gab es nicht zu berichten über die letzten 2 Tage; - ich habe mich vorallem ein wenig von den Strapazen der letzten Tage erholt und eingekauft. Dabei habe ich das "Sundlaug Akureyrar" besucht, was in etwa das Freibad von Akureyri ist (auch wenn es nicht ganz gratis ist, so ist das doch mit 300 ISK ein preiswertes Angebot für ein Bad mit allen Schikanen). Das 38 Grad warme Wasser tat meinen Muskeln jedenfalls gut und nach all den vielen Vorbereitungen (Benzin aufgetankt, Akkus aufgeladen, Klamotten gewaschen, Tasche geflickt und Food aufgestockt) bin ich jetzt bereit um Morgen die "Mutter aller Pisten" (sozusagen) in Angriff zu nehmen...
Dann gibt es wohl für ein paar Tage keine News mehr, weil ich grad durch ein mit Kies gefülltes Funkloch fahre... (Haha, sehr lustiger Scherz was ?)
Ja, vielleicht scherze ich dann nicht mehr, wenn ich auf der anderen Seite rauskomme !?
(Abfahrtsdatum 14.8.2007)

[ 14.8.2007 ]
Unterwegs 7
Heute war ja der grosse Tag; - Aufbruch zum Kieswerk No. 2 !! Eigentlich war ja geplant diese 84 Km Etappe bis Laugafell in 2 Tagen zu machen, aber dank unterstützendem Rückenwind cruiste ich mit bis 30 km/h Richtung Pistenanfang. Es ging dann doch immer mehr zur Sache und bei 20 % Steigung hilft Dir auch der Rückenwind nicht mehr, dann hiess es teilweise nur noch schieben...
Endlich oben auf dem Hochland angekommen (nach 800 Hm) sieht es dann wirklich aus wie auf dem Mond; - Schotter & Kies soweit das Auge reicht. In Laugafell ist es dann im Gegensatz zu meinen restlichen Übernachtungsplätzen schon fast einsam: eine Schweizerfamilie mit 2 Kindern und eine deutsche Familie mit einem Kind. Ich hab mich dann in die Hütte gesetzt zum Kochen und wir hatten zusammen einen unterhaltsamen Abend.
Morgen werde ich auch noch den hiesigen Hot-Pool testen...

[ 15.8.2007 ]
Unterwegs 8
Laugafell - Nyidalur
Auch wenn es ein bisschen den Eindruck macht; - ich bin also nicht immer am Baden, aber wenn es natürlich hier draussen in der Pampa einen Hot-Pool gibt, so muss man diese Gelegenheit einfach benutzen...
Heute ging es weiter über den Zentralteil der Sprengisandur die eben wirklich eine einzige riesige Kieswüste ist, aber manchmal gibt es dann doch einmalige Ausblicke und Momente !
Nach 40 Kilometern und einem kleinen Sturz (im Sand) bin ich jetzt in Nyidalur einer Station etwa in der Mitte der F26 angelangt.
Da der Nordwind so stark weht, leiste ich mir den Luxus und übernachte heute in der Hütte.
(Das Foto stammt von heute 07:30 / Laugafell)

[ 16.8.2007 ]
Stop in Nyidalur
Fast mitten in Island liegt Nyidalur, eine Station mit Hütte und Sand-Flugplatz, hier habe ich einen weiteren Stop eingelegt um eine Wanderung in ein Seitental zu machen... Im Augenblick sind nur der Hüttenwart und ich hier in der Hütte und wir trinken ein bisschen Tee und ich lerne immer ein wenig mehr über Island dazu...
Immer noch bläst der Nordwind ziemlich heftig, sodass ich Morgen dann hoffentlich wieder als "Rider on the storm" die Piste runterbrettern kann.
Wie man an dem Foto erkennen kann, hat es auch heute Nacht mal wieder frisch geschneit, es ist auch entsprechend kühl hier. - dies waren schon die wenigen News aus der Kieswüste.
[ 17.8.2007 ]
Unterwegs 9
Nyidalur - Versalir
Heute Morgen gab es mal wieder "Risengröt" (Milchreis, diesmal isländische Variante...) zum Frühstück um mich für die kommende Holperpiste zu stärken...
Zuerst ging es über einen "Jeep-Track" quer durch den Sprengisandur, da war dann die Spur wirklich fast nicht mehr zu sehen, da ist dann das programmierte GPS schon eine Beruhigung !
Nachher ging es dann auf einer etwas ausgeprägteren Piste dem Hofsjökull (dem zentralen Glescher des Hochlandes) entlang, alles natürlich mit einer fantastischen Aussicht. Nachdem ich schon auf dem Jeep-Track Fusspuren gesehen hatte, traf ich dann die "Verursacher" nun auf dieser Piste; - es waren zwei junge Deutsche mit Riesenrucksäcken, die die ganze Sprengisandur zu Fuss abwanderten (mehrere Wochen !!).
Nachdem ich wieder die Original-F26 erreicht hatte, die mich schon von weitem mit ihren 4x4-Staubfahnen begrüsste, gings dann auf kiesiger Wellblechpiste weiter nach Süden bis ich nach fast 70 Kilometern schlicht keine Lust mehr hatte.
Nun liege ich in meinem Zelt, das ich hier in einem lauschigen Flusstal etwas abseits der Piste aufgestellt habe und lasse den Tag ausklingen (Essen, Blog schreiben, Musik hören und später einfach noch dem Plätschern des Baches zuhören)
[ 18.8.2007 ]
Unterwegs 10
Versalir - Landmannqalaugar
Vom letzten Übernachtungsort (Foto) bin ich noch das letzte Stück der Sprengisandur bis zu den Kraftwerken bei Sigalda gefahren und dann nach Osten Richtung "Landmannalaugar" abgebogen. Hier habe ich übrigens ein sehr vorbildliche deutsche Reisegruppe getroffen: Auf der staubigen Piste gibt es ja zwei Sorten von Autofahrern: A) die Isländer, sie fahren erbarmungslos an dir vorbei ("Eat the dust my friend !") B) die meisten Touristen: sie zeigen dem armen Biker den gebührenden Respekt und halten an oder verlangsamen die Fahrt auf ein "staubfreies" Tempo.
Nun kam mir also eine mehrfache Staubfahne entgegen und ich begann mich schon seelisch auf das Kommende vorzubereiten, da hielt das vorderste Vehikel in einem Abstand von 200 Metern an und schaltete den Warnblinker ein. Die Folgenden taten es ihm gleich und ich durfte alle staubfrei passieren, es handelte sich bei dem Tross um einen deutschen Land Rover-Fanclub oder so ähnlich (Sie können also auch anders...).
Da ich schneller als geplant unterwegs bin (dem winterlichen Training sei Dank !) musste ich meine Planung jetzt auf den Kopf stellen, so hab ich jetzt mal diesen Abstecher nach Osten eingeplant in ein Gebiet, das auf jedem Island-Reiseprogramm steht...
Zuerst führte der Weg durch alte Lavafelder, dann durch einige sandige Kilometer, bis er dann schlussendlich die "bunten" Berge von Landmannalaugar erreichte. Hier ist es schwierig nicht grad alle 100 Meter anzuhalten, denn die Landschaft sieht echt zu surreal aus !
Hier angekommen bietet sich einem dann ein Blick wie auf ein UNO-Flüchtlingscamp; - Dutzende von Zelten und Offroad-Vehikeln, alle wollen DAS hier sehen (ist auch verständlich!).
Nach dem Ankommen und Essen habe ich mich dann um 10 Uhr Abends auch mit den Badehosen Richtung "Hot Springs" aufgemacht und bestimmt etwa anderthalb Stunden im 35 Grad warmen Wasser rumgelegen, bis es dann wirklich dunkel war.

[ 19.8.2007 ]
Stop in Landmannalaugar
Augewacht bin ich heute durch die Regentropfen die auf das Zelt gefallen sind, deshalb bestand kein Grund für überhastete Aktionen (im Klartext: Umdrehen und Weiterschlafen).
Später, nach einem Frühstück habe ich mich mal wieder rasiert & geduscht um unter all den Touristen nicht zu fest aufzufallen...
Die obligate Landmannalaugar-Rundtour durfte natürlich auch nicht ausgelassen werden und so hab ich mich auf die zweistündige Wanderung gemacht, auf der mich auch Freund "Drizzle" mal wieder begleitete. Ansonsten ein ereignisloser Tag, ganz wie es sich für einen Ruhetag gehört. Morgen mache ich mich auf Richtung Süden an die Ringstrasse um dann von da aus das letzte meiner Touristenziele, die Laki-Spalten zu besuchen.

[ 20.8.2007 ]
Unterwegs 11
Landmannalaugar - Nähe Strasse No. 1
Zuerst muss ich noch einen Nachtrag zum gestrigen Tag machen: Beendet habe ich den gestrigen Tag mit einem mitternächtlichen Bad unter Sternenhimmel abgerundet durch eine kühle Dose "Lettöl" (dem isländischen Leichtbier). Das muss man zuerst selbst erlebt haben, bevor man das glauben kann...
Der eigentliche Tag begann dann (wiedereinmal) etwas später, dafür bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen. Das sind dann ideale Bedingungen um voll motiviert aufzubrechen (auch das ist schon bald Routine).
Unterwegs ging mir dann den ganzen Tag dieser Liedtext durch den Kopf: "Durch sieben Furten musst Du gehn, noch eine Piste überstehn...", leider konnte ich mich an die Melodie nicht mehr erinnern, aber da kann mir ja bestimmt jemand helfen ;-)
Na jedenfalls war es eine wässrige Angelegenheit, dauernd Schuhe aus, Schuhe an - damit hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet, aber das hab ich nun davon wenn ich "ungeplante" Abstecher mache !
Die 4x4-Touristen haben jedenfalls angehalten und interessiert meinen Flussüberquerungen zugeschaut.
Zuguterletzt bin ich jetzt fast am Ende der F208, also bald da wo der "Malbik" (der Teer) wieder beginnt. Nach sieben Tagen Hochland freue ich mich nun auf ein paar Annehmlichkeiten der Zivilisation, so habe ich mir z.B. fest vorgenommen bei der ersten Tankstelle einen Hamburger mit Pommes Frites reinzuhauen (das ist so ungefähr der Höhepunkt der isländischen Küche..) !

[ 21.8.2007 ]
Unterwegs 12
Nähe Ringstrasse - Kirkjubaejarklaustur
Nein, ich bin nicht auf der Tastatur ausgerutscht, dieser Ort heisst wirklich so, allerdings kürzen selbst die Isländer den Ortsnamen ab... Es hat also nach sieben Tagen Hochland auch diesmal wieder ein Ende gehabt und ich bin auf den ersten Teer gestossen (Foto). Danach gings noch 30 Kilometer durch ein riesiges von Moos überzogenes Lavafeld (Eldhraun), bevor ich dann eben diesen Ort mit dem unsäglichen Namen erreicht habe; - hier mache ich noch einen Ruhe- & Waschtag, bevor ich mich zur nächsten ungeplanten "Zusatzpiste", nämlich der F206 aufmache, die zu den Laki-Vulkanen führt.

[ 22.8.2007 ]
Stop in Kirkjubaejarklaustur
Auch dieser Ruhetag war natürlich ausgefüllt mit allerhand Arbeiten wie Kleider waschen, Bike durchchecken (den Pistendreck von allen beweglichen Teilen entfernen, Kette ölen...), Lebensmittel ergänzen, mal wieder was "normales" Kochen, Rasieren, Gespräche mit anderen Reisenden, Telefonate erledigen usw.
So blieb nicht viel Zeit für Anderes und heute Morgen (Foto vom Aufbruch) ging es dann eben weiter auf meine letzte Piste zur Lakispalte, die 1783 hier in Island für grosses Unheil gesorgt haben, denn der Ausbruch kostete ca. 90 % der isländischen Tiere und auch über 20% der Menschen das Leben ! Die Piste führt nochmal 50 Kilometer mit viel auf und ab und einigen feuchten Stellen ins Hochland hinein.
[ 23.8.2007 ]
Unterwegs 13
Kirkjubaejarklaustur - Blágil (Laki)
Zuerst musste ich mich auf der Ringstrasse 6 Km gegen den SW-Wind durchkämpfen, dann ging es gleich los mit Steigung & Piste...
Ein stetes auf&ab sowie regelmässiges Kneipen (Queren von Furten) begleiteten mich auf der heutigen Strecke.
Das Tagesziel war die Hütte bei Blágil (Foto), wo der "Aufseher" über dieses Naturschutzgebiet seinen Stützpunkt hat; - ich bin allerdings am Zelten, denn nach den letzten 2 Tagen auf dem Campingplatz möchte ich mal wieder etwas Ruhe. Morgen mach ich dann die Rundpiste um die Lakispalten mit reduziertem Gepäck (das freut meine Waden !!).

[ 24.8.2007 ]
Unterwegs 14
Laki-Loop
Diese letzte Piste bin ich ja eigentlich hochgefahren, um mir diese Lakispalte anzusehen, doch morgens 07:30 war alles grau in grau, deshalb: umdrehen & weiterschlafen...
Später dann doch besseres Wetter; - so brach ich dann doch noch auf und machte mich auf den Weg Richung "Laki". Das Wetter war so durchzogen, immer noch SW-Wind und ab & zu ein kurzer Guss aus den Wolken (was aber immer noch akzeptables Island-Wetter bedeutet).
Als ich den Laki dann erklommen hatte (Fussaufstieg 1 h) hatte ich eine wunderbare Sicht auf die Lakispalten und den Vatnajökull (Foto), den grössten Gletscher Europas. Die Lakispalte hat eine Länge von 25 Kilometern und förderte aus ihren ca. 130 Kratern die grösste Lavamenge in der historischen Geschichte; - ein eindrückliche Sache, wenn man das so sieht.
Bei der Rückfahrt auf der Rundpiste hatten sie leider eine unerwartete Furt eingebaut, also hiess es mal wieder "Kneipen"...
Jetzt lieg ich im Zelt und wärme meine Füsse wieder auf & freu mich auf das Nachtessen.
[ 25 + 26.8.2007 ]
Unterwegs 15 & Rückkehr nach Reykjavik
Blágil - Kirjubaejarklaustur - Reykjavik
Die Rückfahrt runter zur Ringstrasse am nächsten Tag ist mir einiges leichter gefallen als der Hinweg, vielleicht war es der Wind, der inzwischen auf Nord gedreht hatte uns mich beinahe über die Steigungen schob, möglicherweise waren es auch die 600 Hm die es wieder runter ging, aber vielleicht war es auch das Wissen, dass dies nun die letzte Rumpel-Schotterpiste dieser Ferien war...
Wie auch immer, am Ende landete ich wieder im Ort mit dem unaussprechlichen Namen und verbrachte da eine weitere Nacht auf dem sehr sympathischen Zeltplatz.
Da die Wetterprognose windmässig nichts gutes versprach und mir eh nicht mehr viel Zeit bleibt, habe ich bechlossen den Rest der Strecke (der auch verkehrsmässig gegen Reykjavik hin immer übler wird) mit dem Bus zu fahren...
...ja, und so sitze ich jetzt bereits wieder in Reykjavik vor meinem Zelt und geniesse einen weiteren schönen Sonnenuntergang um 23:00 CH-Zeit. Der Zeltplatz hat sich übrigens schon deutlich geleert; - die Touristensaison neigt sich so langsam dem Ende zu & schon ist in der Meteo die Rede von ersten Frostnächten, de Sommer ist wirklich sehr kurz hier !
Die nächsten 2 Tage mache ich noch etwas Sightseeing in der Stadt und bereite mich & das Bike auf die Rückreise vor...
[ 08.09.2007 ]
Zuhause
Seit einer Woche bin ich (mehr oder weniger) wieder in der Schweiz & im Alltag gelandet, immer noch seh ich ab & zu die Bilder dieser weiten und leeren Landschaft vor mir und ich denke, das wird noch eine Weile so bleiben...
Einmal mehr war mein Ausflug per Bike erfolgreich & pannenfrei (Bike- & auch computertechnisch) und so möchte ich natürlich auch denen danken die mich bei dieser Unternehmung wieder unterstützt haben !! Da wären im speziellen Cyrill Meier, der mir die computertechnischen Probleme, wenn's denn welche gab auf Distanz hielt, bzw. löste und natürlich Erwin Junker von 'Pedale' (mein Bike-Experte), der mir A) mein Super-Reiserad verkauft hat und B) es auch perfekt in Schuss hält !! Mein Dank geht natürlich auch an alle Freunde die mich moralisch und auch sonst bei diesen Touren unterstützen.
Wie immer folgen hier noch die nüchternen Fakten (die natürlich der Tour selbst nicht gerecht werden):
- Reisetage mit Bike: 15
- Kilometer mit Bike: > 800
- Strassenkilometer: ca. 200
- Pistenkilometer: ca. 600
- Aufstieg in Höhenmeter: 9700
Dann ist selbstverständlich immer die Frage, ob und wo es ein nächstes Mal geben wird ?? Nach dieser Tour, auf der ich ein Riesenschwein mit Wind & Wetter gehabt habe muss es einfach ein nächstes Mal geben und zwar diesmal etwas weiter weg, nämlich in Nordindien, im Ladakh - einem alten buddhistischen Königreich am Rande des Himalayas...
...na, bis dann.
